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Sexy ist out – das Comeback der 90er-Mode
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Sexy ist out – das Comeback der 90er-Mode

  • «Backstreet's back, alright?» Nicht nur die Lieblingsboyband von damals kündigt ihr Comeback an, auch der Kleiderschrank macht jetzt eine Reise in die Vergangenheit: klobige Schuhe, weite Kapuzenpullis und Neonfarben. So übersetzen Sie den neuen, alten Trend in die Gegenwart. Von Benjamin Freund
Der 90er-Stil macht Spaß und erlaubt quasi alles. Hier ein Kombinationsbeispiel von Marc Cain (Pullover ca. 379 Euro, Bluse ca. 150 Euro, Hose ca. 180 Euro, Mütze ca. 70 Euro).

In den 90ern wurde modisch rebelliert. Jeans waren zerrissen, die Hosen weit und tiefsitzend. Harte Kontraste wie das Schwarz-weiß-Muster oder die Kombination mehrerer knalliger Farben zogen die Blicke der Betrachter an. Das alles schien überwunden – und ist nun doch zurück. Warum? Und wie?

«Das Comeback der 90er definiert sich über ein radikale Veränderung der Silhouette – von ganz eng zu ganz weit»,

erklärt Carl Tillessen vom Deutschen Modeinstitut. Es geht der heutigen Jugend in erster Linie um das Verhältnis zum Körper, das ein anderes ist als das der vorherigen Generationen.«Man hat versucht, sich von der Freizügigkeit und Übersexualisierung der Erwachsenen abzugrenzen.»

Weite Hosen, weite Hoodies: Ein Großteil der neuen 90er-Mode zeichnet sich durch voluminöse Schnitte aus. Hier ein Beispiel von Levi's (Hoodie ca. 75 Euro, Jeans ca. 90 Euro).
Weite Hosen, weite Hoodies: Ein Großteil der neuen 90er-Mode zeichnet sich durch voluminöse Schnitte aus. Hier ein Beispiel von Levi’s (Hoodie circa 75 Euro, Jeans circa 90 Euro). (Foto: Levi´s/dpa-tmn)

Dafür eignen sich viele Kleidungsstücke der 90er Jahre gut. Denn Pullover, Shirts und Hosen waren fast übergroß. Und man mag sich nur an die sogenannten Mom-Jeans erinnern, deren Bund bis mindestens zum Bauchnabel reichte. Das Ziel ist zudem ganz bewusst der schlechte Geschmack, «bad taste» also. «Junge Leute besorgen sich auf dem Flohmarkt gezielt Sachen die einen geschmacklichen Tabubruch bedeuten», erklärt Tillessen.

Derber Stoff trifft auf feine Spitze

Die Branche springt auf und produziert wieder viele Kleidungsstücke im 90er-Stil – etwa Sneaker mit markanten dicken Sohlen. «Manche Schuhe sehen aus wie Traktorreifen», sagt Antje Drinkuth, Studiendekanin der AMD Akademie Mode & Design in Berlin.

Doch das vermeintliche Stil-Comeback ist keine reine Kopie der 90er-Mode, man verändert den Stil durchaus. «Bei Frauen wird heute der Hoodie etwa zum Plisseerock kombiniert», erklärt Charlotte Schnitzspahn vom Fachmagazin «Textilwirtschaft». «Männer können Hoodie und Chunky Sneaker zur Anzugshose tragen.»

Alter Stil, neue Kombination: Der Hoodie wird aktuell gerne zum Rock getragen. Hier ein Kombinationsbeispiel von Essentiel Antwerp (Pullover ca. 195 Euro, Kleid ca. 245 Euro, Blazer ca. 345 Euro, Schuhe ca. 265 Euro).
Alter Stil, neue Kombination: Der Hoodie wird aktuell gerne zum Rock getragen. Hier ein Kombinationsbeispiel von Essentiel Antwerp (Pullover circa 195 Euro, Kleid circa 245 Euro, Blazer circa 345 Euro, Schuhe circa 265 Euro). (Foto: Essentiel Antwerp/dpa-tmn)

Vor allem das offensive Marketing der Neunziger sei auf den Klamotten nicht mehr so stark präsent. «Die Logos sind mittlerweile zunehmend subtiler und werden zum Beispiel nicht nur plakativ auf der Brust, sondern auch auf Ärmeln aufgedruckt oder in Grafiken verarbeitet», erläutert Schnitzspahn. Dazu hat sich die Farbpalette erweitert. «Zu den knalligen Farben von damals kommen heute Pastell- und Sandtöne.»

Öko-Kleidung mit Aussage

Der Rückgriff auf die Elemente der 90er-Mode hat aus Sicht der Experten mehrere Gründe. Einer ist das bereits erwähnte Abgrenzen von der Freizügigkeit der früheren Generationen. Aber die Stücke aus der Vergangenheit werden auch mit einer sorgenfreien Zeit, der eigenen Jugend, assoziiert, sagt Tristan Horx vom Zukunftsinstitut.

Vergangenes wird futuristisch, inklusive einer auffälligen, künstlerischen Note: Hier ein Beispiel von ART (links 200 Euro, rechts 215 Euro).
Vergangenes wird futuristisch, inklusive einer auffälligen, künstlerischen Note: Hier ein Beispiel von ART (links circa 200 Euro, rechts circa 215 Euro). (Foto: ART/dpa-tmn)

Getragen aber wird die Mode vor allem von den Jüngeren – «für die der Look etwas Neues ist», betont Schnitzspahn. Für diese ist wichtig, dass der Look auch etwas sehr Plakatives hat und gut auf den Bildern für die sozialen Netzwerke funktioniert. Ein weiterer Grund für das gestiegene Interesse ist das Wiederverwerten alter Kleidungsstücke:

«Die junge Generation hat ein ganz anderes politisches Bewusstsein. Es geht ihr um Transparenz und wie Kleidung produziert wird»,

stellt Drinkuth fest. Das führt sie auch zunehmend in die Second-Hand-Läden, um Textilien länger im Gebrauchszyklus zu halten.

Wer sich dem Trend gemäßigt annähern will, sollte die zuletzt beliebte Skinny-Jeans anbehalten und ein überweites Oberteil dazu tragen, rät Tillessen. Umgekehrt funktioniert das auch – mit weiter Hose und engem Top. Aber: Ältere sollten den 90er-Style mit Bedacht wählen, denn sonst wirkt es, als wären sie in der Zeit hängen geblieben. Tillessen rät insbesondere, keine falsche Jugendlichkeit vorzuspielen.

(MAG99/dpa/tmn)

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