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«Das freiwillige Jahr»: Ein persönlicher und vielschichtiger Film

«Das freiwillige Jahr»: Ein persönlicher und vielschichtiger Film

  • Jette will nicht die Pläne ihres Vaters leben. Er möchte, dass sie nach Costa Rica geht, doch sie liebt Mario. Es folgen schwerwiegende Entscheidungen. Von Peter Claus
Maj-Britt Klenke (r.) als Jette und Thomas Schubert als Mario in einer Szene des Films «Das freiwillige Jahr».

Jette (Maj-Britt Klenke) hat gerade das Abitur gemacht. Pläne hat sie keine. Sie weiß nur, dass sie nicht so langweilig werden will wie ihr Vater, der Dorfarzt Urs (Sebastian Rudolph). Soll sie machen, was er möchte oder rebellieren?

Der Vater hat für die Tochter ein freiwilliges soziales Jahr in Costa Rica organisiert. Das findet sie in Ordnung, weiß aber nicht, ob das jetzt das Richtige für sie ist. Viel wichtiger ist für sie im Moment die Liebe zu Mario. Spontan fasst sie den Entschluss, mit ihrem Freund abzutauchen. Sie verstecken sich tagelang. Alle Beteiligten müssen schließlich folgenschwere Entscheidungen treffen.

In ihrem ersten gemeinsam geschriebenen und inszenierten Spielfilm erzählen Ulrich Köhler («Schlafkrankheit») und Henner Winckler («Lucy») von der jedem Heranwachsenden bekannten Schwierigkeit, sich vom Elternhaus abzunabeln. Bei Jette und ihrem Vater Urs kommt hinzu, dass er den Weg der Tochter sozusagen schon festgemauert hat. Doch haben die Alten, alle Erfahrung in Ehren, das Recht, über das Leben der Jungen zu entscheiden?

Die mit explosiven Gefühlen aufgeladene Geschichte wird lakonisch, gelegentlich fast dokumentarisch anmutend erzählt. Die durchweg fesselnden Schauspieler zeichnen mit feinem Strich differenzierte Charakterbilder. Sie zeigen das Brodeln unter der Oberfläche. Weil das mit großer Ruhe geschieht, entwickelt sich eine starke Spannung.

Ein Gesellschaftspanorama

Entscheidend für die nachhaltige Wirkung des Films ist, dass es dem Autoren- und Regie-Duo gelingt, die persönliche Geschichte zu einem Gesellschaftspanorama zu weiten. Jette ist nämlich eine typische Vertreterin der viel beschworenen Generation Z: Junge Leute, deren Leben von enormen Wahlmöglichkeiten im Beruflichen und daraus resultierender Unentschlossenheit geprägt wird. Vater Urs hingegen entspricht dem Typ des tyrannischen Kleinbürgers, der irrtümlich glaubt, er wisse über alles genau Bescheid. Da muss es krachen.

Sich ganz auf die Figuren konzentrierend, gelingt eine pointierte Auseinandersetzung mit dem Zustand der bürgerlichen deutschen Gesellschaft. Einerseits ist da das schöne Ideal des freien Individuums. Andererseits sorgt die Macht des Mittelmaßes dafür, dass das Dumpfe spießiger Selbstgenügsamkeit die Realität beherrscht. Die daraus resultierenden Konflikte reflektiert der gedankenreiche Film mit faszinierendem Tiefgang, ohne schulmeisterlich anzumuten. Jettes Rebellion dürfte vielen Jugendlichen aus dem Herzen sprechen.

(MAG99/dpa)

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